Wäre ich überzeugter Apple-Anhänger und hätten mich die momentanen Ereignisse in der Macintosh-Welt sehr mitgenommen, das wäre wohl meine Reaktion. Ich bevorzuge aber die folgende Betrachtungsweise: Zwar finde ich Apple und ihre Produkte interessant und die Gewissheit verlockend, dass alles aufeinander abgestimmt ist und meistens sehr gut funktioniert. OS X ist zudem ein tolles Betriebssystem, das wohl nur etwas Einarbeitungszeit erfordert, damit man es richtig zu schätzen lernt.

Ich fühlte mich bei der Benutzung aber etwas ausgebremst und konnte mich nicht frei auf der Festplatte bewegen, weil einige Ordner im Finder ausgeblendet wurden und nur über das Terminal erreichbar waren. Vielleicht hängt das aber auch mit der Einarbeitungszeit zusammen.

Man merkt mir an, dass ich mich für Apple und OS X interessiere: Das ist wohl meiner Neugier und dem generellen Interesse an PCs zu verdanken. Aus Neugier habe mir gestern dann endlich die Keynote Address von Steve Jobs zur WWDC 2005 angesehen, nachdem es mir am Wochenende nicht vergönnt war. Einen guten Überblick über die gesamte Präsentation gibt “A Review of the WWDC 05 Keynote” bei MacDevCenter.com.

Die wahrscheinlich am sehnlichsten erwartete Ankündigung zum Wechsel zu Intel-Prozessoren begann Jobs mit einem kurzen Abriss über die vergangenen Übergänge bei Apple: Der erste Übergang vom 68k- zum PowerPC-Prozessor fand von 1994 bis 1996 statt. Der zweite große Schritt in der Geschichte war der Wechsel von Mac OS 9 auf OS X ab 2001 bis 2003.
Jetzt, 2005, sollen die Weichen für dem Umstieg auf Intel-Prozessoren gestellt werden und ab 2006 soll der neue Zug über die x86-Gleise rollen. Der Umstieg erfolgt, weil die Leistungsausbeute beim PowerPC wesentlich schlechter als bei Intel ist, weshalb es bislang noch keinen 3.0 GHz PowerMac G5 und noch kein Powerbook mit einem G5-Prozessor gibt.

Um den Entwicklern komplexer Software den Umstieg zu erleichtern, wird es ab sofort auf Intel basierende PowerMac G5 geben, die zum Preis von 999 US-Dollar bis Ende 2006 gemietet werden können und eine Entwicklerversion von Tiger enthalten.

Interessant ist, dass OS X seit seinem Erscheinen, seit Version 10.0, sowohl für die PowerPC- als auch für die x86-Architektur kompiliert wurde –“just in case”.
“Für alle Fälle” scheint ein wenig unpassend, denn der Umstieg von PowerPC- zu Intel-Prozessoren soll zwei Jahre lang andauern. Allzu plötzlich sollte also ein Intel-OS X nicht nötig werden, jedenfalls nicht seit Version 10.0. Weshalb wird ein Betriebssystem kompiliert, wenn es nicht veröffentlicht wird? Wie wäre es, wenn man Mac OS X ausprobieren könnte, um zu sehen, ob man die Lager wechseln möchte?

Einen sehr interessanten Artikel hat Jeff Harrell in seinem Blog The Shape Of Days veröffentlicht: In “Try before you buy?” vermutet er, dass Apple der illegalen Verbreitung der Entwickler-Version, die auf den gemieteten PowerMac G5 mit Intel-CPUs läuft, gelassen entgegen sehe. Warum? Weil sich PC-Benutzer dadurch ohne großen Aufwand ein Bild von OS X machen könnten und später auf Macs umsteigen würden, nachdem sie Blut geleckt haben. Tauschbörsen benutzen kann schließlich jeder.

So ein Zufall, kurz nach der WWDC kursieren dort sogar schon Dateien, die angeblich eine für x86-Prozessoren kompilierte Version von Tiger enthalten. Nach dem Booten einer solchen Version zeigt sich allerdings nur das Startbild der Über-Schockerseite goatse.cx (bei Wikipedia), was man lieber nicht sehen möchte.

Diese Version soll aber nur ein Ablenkungsmanöver sein, um den Fokus auf die Fälschung zu verschieben und zu verhindern, dass die “echten” Versionen gefunden werden. Wäre dies der Fall, dann liefe wohl am nächsten Wochenende bereits in der gesamten Nachbarschaft OS X auf Intelrechnern (aus “Apple Mac OS X 10.4.1 for Intel hits piracy sites” bei MacRumors: Forums). Und das wäre bestimmt nicht im Sinne der Mac-Anhänger.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>