Lernzielebene 1 ist nichts für mich

Ich habe heute meine erste Klausur in diesem Semester geschrieben. Ich würde gern schreiben, dass ich erfolgreich dabei war, aber so ist es leider nicht.

Die Vorlesung nennt sich “Einführung in die sozialwissenschaftliche Wirtschafts- und Technik­analyse: Gruppenarbeit und Projektmanagement“. Dort werden wissenswerte Dinge wie die Entwicklungsphasen eines Unternehmens, der Übergang in die Prozessorientierung, Team- und Gruppenbildung und Methoden zur Kontrolle der Projekte vermittelt. Obwohl die Vorlesung stellenweise etwas langatmig war, habe ich gerne zugehört, weil mich die vorgestellten Möglichkeiten zur Problembehebung von eintöniger Arbeit und der daraus folgenden Demotivation der Arbeitskräfte interessierten.

Ich habe selbst bei einem Ferienjob in der Produktion gearbeitet und habe dabei gestanzte Pappen auf eine Palette gestapelt. Dadurch hatte ich einen guten Vergleich zu dem, was in der Vorlesung angesprochen wurde.

Die Themen waren die Phasen der Unternehmensentwicklung, bei der ein Erfinder zuerst ein Unternehmen gründet, es selbst führt und seine Idee mit Liebe umsetzt. Ab einer bestimmten Größe ist dieser Führungsstil nicht mehr möglich und es muss eine neue Struktur eingeführt werden. Die Aufgaben werden in kleine Arbeitsschritte zerlegt, so dass selbst ungelernte Kräfte dieses Aufgaben ausführen können. Allerdings nimmt dann auch die Verwaltungsarbeit zu, die bei der Koordinierung der einzelnen Arbeitsschritte auftritt. Das sorgt für Unzufriedenheit in der Führungsetage, weil zuviel Zeit für die Lenkung der Mitarbeiter aufgebracht werden muss, damit die Produktion läuft.

Um diese Problematik abzuschaffen muss wieder eine neue Orientierung her, bei der die Manager entlastet werden und die Mitarbeiter mehr Verantwortung übernehmen. Im gleichen Zug werden die zerteilten Aufgaben wieder zusammengefügt, damit der Kommunikationsbedarf an den Schnittstellen der Aufgaben abnimmt. Dazu kann die Arbeit in Projektgruppen oder Projektteams eingeführt werden, sofern es Sinn macht. Wenn beispielsweise ein Unternehmen nur als Zulieferer auftritt und ein bestimmtes Teil fertigt, das wenig Arbeitsaufwand erfordert, verbessert die Gruppenarbeit nicht zwangsläufig den Fertigungsprozess.

Grundsätzlich soll jedoch der Prozess wieder in den Mittelpunkt des Interesses rücken, im Gegensatz zur vorher herrschenden Einstellung der Mitarbeiter, die einfach nur ihre anspruchslose und nicht fordernde Arbeit getan haben.

All diese Dinge finde ich sehr interessant, aber um endlich auf den Titel zurückzukommen: Ich komme mit dem reinen Abfragen von Wissen und der Bearbeitung von Klausuren auf der Lernzielebene 1 überhaupt nicht zurecht. In der Schule wurde man mit steigendem Alter immer mehr darauf trainiert, Transferleistungen auf Lernzielebene 3 zu erbringen und brauchte die erste Ebene nur noch, um die Fragen zu verstehen und beurteilen zu können, was in der Antwort enthalten sein muss.

Deshalb kann ich nicht ganz nachvollziehen, weshalb jetzt einfach nur Wissen abgefragt ist. Meine Vermutung ist, dass die Diplomprüfungsordnung für meinen Studiengang einen Schein in Sozialwissenschaften erfordert und das aus Sicht des Dozenten keinen Sinn macht. Deshalb möchte er den Studenten das Lernen für die Klausur erleichtern, in dem nur Wissen abfragt wird.

Aber: Lernzielebene 1 ist nichts für mich.

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