Rücksichtslos und sturheil links

Dieser Titel, der ebenso reißerisch und zugleich primitiv wie sonst nur bei RTL II ist, ist in der Mittwochs-Ausgabe des braunschweig report zu lesen, einer Zeitung, die zweimal wöchentlich erscheint. Der Untertitel dazu lautet “Linksfahrer und Mittelspurschleicher verursachen selbst auf breiten Autobahnen Nadelöhre”.

Abgesehen davon, dass mir nicht im Mindesten klar ist, was sturheil bedeuten soll, würde ich diesen Artikel nicht als Vorzeigeobjekt journalistischer Arbeit bezeichnen. Thema ist die wachsende Bedrohung bei Autobahnfahrten, die von ständig links fahrenden oder rechts überholenden Verkehrsteilnehmern ausgeht. Einleitend werden die entscheidenden Ergebnisse einer kürzlich vom ADAC durchgeführten Umfrage unter 4000 Mitgliedern genannt.


59 Prozent der Befragten ärgern sich über Rechtsüberholer auf der Autobahn und 55 Prozent regen sich über notorische Linksfahrer auf. Die Raser und Drängler aber auch die Schnarchnasen machen viele Verkehrsteilnehmer auf unseren Autobahnen — selbst auf der gut ausgebauten dreispurigen A2 bei Braunschweig — rasend. Rowdys und Schleicher gefährden den Verkehr bzw. behindern die Sicherheit.

Zunächst zum Inhaltlichen: Wenn man von den 59 Prozent der Befragten, die sich über Rechtsüberholer ärgern, die relative Anzahl derjenigen abzieht, die sich über die Linksfahrer (die 55% aus der Umfrage) aufregen, dann erhält man vier Prozent der Befragten, die sich bereits dadurch gestört fühlen, dass jemand auf der Autobahn Manöver vollzieht, ohne dass einer der Vierprozentigen direkt davon betroffen ist. Demnach ist auch rechts zu überholen um vier Prozent schlimmer als ständig zu links fahren. Ich werde das bei meiner nächsten Autobahnfahrt berücksichtigen.

Das Wortspiel nach der Parenthese im zweiten Satz (“rasend”) finde ich toll. Im folgenden Satz sollten Rowdys allerdings Rowdies sein und anstatt die Sicherheit zu behindern schränken die Schleicher sie wohl eher ein.

Es geht noch weiter: Reinhard Manlik vom ADAC spricht von “brutalen” Spurwechseln. Ich wäre nicht überrascht, wenn die Redaktion den Wortlaut des Interviews stärker an den reißerischen Stil des Artikels angepasst hat. Und ich freue mich schon auf die nächste Ausgabe.

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