Standardisierte deutsche Kindheit

Manche Ideen sind zu banal, dass man gar nicht auf sie kommt. “Wie man deutsch wird” wird bei Telepolis von Katja Schmid am Beispiel der emigrierten Neuseeländerin Joanne Moar erläutert:

Kirschlutscher sind für die neuseeländische Künstlerin Joanne Moar der Inbegriff für eine Kindheit in Deutschland. Fast jeder, der hierzulande aufgewachsen ist, hat schon mal einen gelutscht oder zerbissen. Deshalb ist es nur konsequent, dass die kleinen roten Lutscher mit dem grünen Stiel auf der sonst sehr schlicht gehaltenen Website der Künstlerin als Wegweiser dienen. Schließlich geht es hier um typisch deutsche Kindheitserinnerungen.

Joanne Moar sammelte im Sommer Erinnerungen von Passanten in Fußgängerzonen und bastelte daraus eine So-wäre-meine-deutsche-Kindheit-gewesen-Maschine. Unter becoming german kann man Angaben zu Alter und den damaligen Lebensumständen machen und bekommt dann prognostiziert, wie wohl die eigene Kindheit ausgesehen hätte:

Ich habe mit Vergnügen “Chip & Chap”- und “Kimba”-Kassetten statt “Die drei ???” mit einer Wahrscheinlichkeit von 81,82% gehört, war gerne auf Kindergeburtstagen statt alleine zu spielen (zu 90,91% wahrscheinlich), obwohl ich mit Vergnügen irgendwelche Sachen gebaut habe oder meinem Vater dabei zugesehen habe, und in Italien war ich als kleiner Junge auch nicht (zu 81,82% wahrscheinlich). Aber dass ich mit Legosteinen gespielt habe, ist absolut richtig.

Allerdings bin ich auch in Deutschland aufgewachsen, deshalb arbeitet die Maschine nicht korrekt.

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