Die Abzocker von der Deutschen Bahn

Die Deutsche Bahn gibt uns (oder mir) eine Lektion zum Thema sparen. Man nehme folgende Konstellation an:

  • Fahrplan mit regelmäßigen Fahrten eines Zuges von A nach B
  • Reisende

Dann lässt man die Reisenden sich an den Fahrplan gewöhnen. Nach einer derartigen Konditionierung streicht man einfach eine Verbindung in die nächstgrößere Stadt, beispielsweise den IC 2032 von Braunschweig nach Hannover am 22. Dezember um 19:51 Uhr und schreibt “Ausgefallen” auf die Informationstafel am Bahnsteig. Die Reisenden werden nun unter Zuhilfenahme des örtlichen Personals der Beratungsstelle nach einer neuen Verbindung zum Zielbahnhof suchen.

Unglücklicherweise fährt nun der nächste IC erst eine volle Stunde später und man bekommt stattdessen eine zeitnahe, aber komplett andere Verbindung empfohlen aufgedrängt, z.B. nicht mehr mit IC, ICE und RE, sondern mit RE, ICE und RB. Ersteres ist natürlich teurer als die Bimmelbahn bis nach Hause — da unsere Kunden aber schon ein OnlineTicket gekauft haben, wird es für die günstigere Fahrt zugelassen.

Der Vorteil der ganzen Operation liegt auf der Hand: Die paar Reisende, die abends an einem Werktag nach Hannover wollen, nehmen dann eben einen anderen Zug und man braucht den wartungsintensiven IC nicht fahren zu lassen. Die eingesparten Kosten für diesen IC kompensieren die Mehrkosten durch die zusätzlichen Reisenden in anderen Zügen über.

Wer jetzt auf die Idee kommt, sich bei der Bahn die zuviel bezahlten Gebühren erstatten zu lassen, ist zwar schlau, bekommt aber eine Standardantwort:

Wir bedauern sehr, dass Ihre Reise vom 22.12.2005 nicht so verlaufen ist, wie Sie dies erwarten durfen und bitten dafür um Entschuldigung.

Die Passagierrechte der Deutsche Bahn AG sehen vor, dass Reisende dann einen rechtsverbindlichen Entschädigungsanspruch in Form eines Gutscheins haben, wenn sie ihren Aussteigebahnhof aus einem Fernverkehrszug mit einer Verspätung von mehr als 60 Minuten erreichen. Dies gilt auch, wenn sie ihren ihren Aussteigebahnhof aus dem letzten Fernverkehrszug mit mehr als 60 Minuten Verspätung erreichen, sofern sie im Verlauf ihrer Reise mehrere Fernverkehrszüge wechseln. Im Nachtreiseverkehr gilt diese Regelung bei Verspätungen über 120 Minuten. […] Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, haben Reisende keinen Anspruch auf Entschädigung wegen Verspätung eines Zuges.

Bitte haben Sie Verständis dafür, dass wir aus Gründen der Gleichbehandlung keine Ausnahmen machen und Ihrer Forderung nach Entschädigung nicht nachkommen können.

Abzocker. Ich will meine 3 EUR für zuviel bezahlte Fahrtkosten plus 55 Cent für das Porto plus 10 EUR für die Zeit, die ich zur Recherche nach Erstattungsformular gebraucht habe, wiederhaben.

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