Missverständnisse durch fehlendes Sprachgefühl

Der Internetprovider 1&1 bot bereits vor einiger Zeit Kunden 100 € an, wenn sie vorzeitig den Vertrag über den Internetzugang per DSL-Flatrate kündigten, weil sie monatlich einzu großes Transfervolumen erzeugen. Zu viel meint, dass die Rechnung für 1&1 nicht mehr aufgeht.

In einem Bericht des ARD-Magazins Plusminus wurden Betroffene interviewt. Ein Pensionär “ist immer im Internet. Hat seine eigene Homepage, lädt ständig Fotos, chattet und hört Musik. Über seine DSL-Leitung fließen gigantische Datenmengen.” Wenn nicht das ARD-Logo eingeblendet wäre, hätte ich diesen Kommentar glatt RTL II zugeordnet. Dann kommt aber die Erklärung, was denn eine gigantische Datenmenge ist: 107 GiB monatlich — impressive.

Der Pressesprecher von 1&1, Michael Frenzel, spielt die allgemeine Empörung der Kunden mit folgendem genialen Vergleich herunter:

Da wird auch manches falsch verstanden. Sie wissen, heute ist es schon schwierig, einem Menschen zu erklären, wie der Konjunktiv eigentlich gebildet wird, und… Ich glaube, das sind größtenteils Missverständnisse.

Klar, wenn die Leute noch nicht einmal den Konjunktiv verstehen, wie können sie dann die Gewinnerzielungsabsicht von 1&1 nachvollziehen. Ich kann den Konjunktiv bilden und habe wohl nur deshalb mit Arcor keine Probleme.

Nachtrag: Wer keine Lust auf den Torrent hat, findet auf der Website von Plusminus ein Skript der Sendung, das ich gerade zufällig gefunden habe.

2 Gedanken zu „Missverständnisse durch fehlendes Sprachgefühl

  1. Pablo

    107GiB mit Fotos und Musik?
    Chatten kann man weglassen, dass sind ein paar kilobyte. Exzessives im Internet surfen sind 3GiB im Monat. Bleiben 104 GiB übrig. Das entspricht über 100.000 Fotos in guter Qualität. Oder auch 35.000 Musikstücke.
    Sagen wir 1.000 Fotos im Monat. Bleiben immer noch 35.000 Musikstücke. 43.000 Minuten hat ein Monat. Respekt mein lieber Rentner, solltest du nicht schlafen, hörst du ein paar Musikstücke gleichzeitig.

    Außerdem… Viel traffic sind ab 300GiB für ne DSL Leitung wie ich finde. Filesharing lässt grüßen. Anders kommt man – es sei denn für die Arbeit – kaum über 10GiB.

  2. Lennard Artikelautor

    Ich musste natürlich auch ein bisschen rechnen und da der Herr ja sagt, er sei immer online, würde er pro Stunde etwa 150 MiB herunterladen. Das kann man zwar schaffen, aber nur indem man täglich das komplette Wikipedia-Backup mit ein paar GiB herunterlädt und weiterverteilt. Ich sollte mal ausprobieren, wann Arcor unruhig wird.

    Auch 100 GiB in einem Monat finde ich schon viel, das sind immerhin mehr als 3 GiB täglich. Wo du Filesharing erwähnst, würde mich interessieren, wieviel weniger Traffic das Rechenzentrum der Uni hätte, wenn die Leute in den Studentenwohnheimen nicht dort ständig unterwegs wären. Das monatliche Volumen wird allerdings schon begrenzt. Dafür gibts dann die Studierengebühren, damit irgendwelche Idioten auf meine Kosten für alles andere als “Bildungszwecke” — wie es in den Nutzungsbestimmungen heißt — ins Internet kommen. Aber ich fange an zu dröhnen ;)

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