Partitionstabelle gelöscht?

Das kommt davon, wenn man mit mehreren Betriebssystem herumspielt. Ganz unschuldig sind sie jedoch auch nicht, weil jedes erst einmal Anspruch auf den Master Boot Record erhebt, in dem festgelegt wird, was beim Systemstart passiert.

Als ein System partout nicht starten wollte, weil es anscheinend nicht richtig in diesen einen Sektor geschrieben hatte, habe ich es gut gemeint und wollte helfen, dabei wurde jedoch die Partitionstabelle beschädigt. Dort steht, welche Partition wo anfängt und wo aufhört und welche Dateien sich auf der Festplatte befinden. Ohne gültige Partitionstabelle fragt Windows beispielsweise bei jedem Zugriff ob man den Datenträger formatieren wolle. Will man aber auf keinen Fall, denn sonst wird es schwierig an die Daten heranzukommen. Diese sind noch längst nicht gelöscht, sondern können nur nicht mehr gefunden werden — als ob man in einem Buch das Inhaltsverzeichnis herausgerissen hätte.

Wenn nur die Partitionstabelle gelöscht ist und sonst nichts weiter mit dem Datenträger passiert ist — dabei ist es egal, ob es sich um eine Festplatte, einen USB-Stick oder eine Speicherkarte handelt —, kann man mit Programmen wie dem kostenlosen TestDisk die Festplatten nach Hinweisen auf die vorige Struktur durchsuchen lassen. Die Erfolgswahrscheinlichkeit mit diesem Programm ist sehr hoch, gerade weil es auch einen Tiefendurchlauf anbietet, bei dem jeder einzelne Sektor durchsucht wird. Wenn beim gewöhnlichen Durchlauf keine Anhaltspunkte der gelöschten Partitionstabelle gefunden werden können, führt die erweiterte Suche häufig zum Erfolg.

TestDisk zeigt nach der Suche an, welche Partitionen gefunden wurden. Bevor man sie jedoch wiederherstellt, sollte man sich einen Moment Zeit nehmen und überprüfen, ob die Details wie Größe der Partition und Dateisystem, z.B. NTFS oder FAT32, stimmen. Anderenfalls wird eine neue Partitionstabelle geschrieben, die aber unbrauchbar ist, weil sie sich nicht mit den noch dem Datenträger vorhandenen Daten deckt. Das Betriebssystem kann mit dieser neuen Partitionstabelle überhaupt nichts anfangen und findet nach wie vor keine Daten. Wenn man jetzt einen erneuten (Tiefen-)Durchlauf startet, werden die Ergebnisse nicht besser. Ich hatte genau diese Situation und konnte mit TestDisk die richtige Partition nicht mehr herstellen.

Dennoch sollte man ruhig bleiben, da immer noch nichts verloren ist. Die Änderungen an der Partitionstabelle fanden im ersten Sektor der Festplatte statt und haben keine Daten überschrieben. Solange man auf den Datenträger nicht schreibt, stehen die Chancen für die Rettung gut. Nach einigen Versuchen mit TestDisk bin ich auf das kommerzielle R-Studio mit größerem Funktionsumfang umgestiegen. Genau wie bei TestDisk wird die Festplatte durchsucht, jedoch nicht nur nach Informationen zu den Dateisystemen, sondern die Header der Dateien selbst werden überprüft und mit bekannten Mustern verglichen. So lassen sich selbst Dateien finden, die teilweise überschrieben wurden oder von einer vorigen Installation eines Betriebssystem stammen.

Nach einer umfangreichen Suche, die je nach Größe des Laufwerks und Menge der zu vergleichenden Dateitypen durchaus mehrere Stunden dauern kann, hat R-Studio eine Art Verzeichnis aller vorhandener Dateien angelegt. In einem Fenster kann der Verzeichnisbaum der gefundenen Partitionen durchsucht und die Dateien wiederhergestellt werden. Dabei sollte man jetzt auf jeden Fall auf einen anderen Datenträger schreiben, weil sonst die gerade gefundenen Dateien beschädigt werden können und man den Suche erneut durchführen müsste. Es kann gut sein, dass nicht nur die “letzen” Dateien der aktuellen Partition gefunden wurden, sondern mehrfach überschriebene Partition mit dazugehörigen Dateien. Solche Partition würden in der Übersicht in rot dargestellt werden, da nicht genügend Informationen vorliegen.

Sowohl zum kostenlosen TestDisk als auch zum kommerziellen R-Studio gibt es ausführliche Anleitungen zur Vorgehensweise. R-Studio besitzt zudem eine sehr gute Hilfefunktion direkt in der Benutzeroberfläche.

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