Sprachlich hochwertiger Slogan

Dein Urlaub wird so gewesen sein, wie du ihn dir vorgestellt haben wirst.

Diesen Satz habe ich riesiger Schrift auf einer doppelseitigen Anzeige vor kurzem im Magazin mobil der Deutschen Bahn gesehen. Er wirbt für das Reiseportal start.de, das als kurzes Motto “Der Urlaub wird super gewesen sein” nutzt. Die Anzeige steht auf den letzten Seiten, und da ich bis dahin schon einige Artikel gelesen hatte, war meine Aufmerksamkeit schon beinahe am unteren Totpunkt angelangt. Dennoch habe ich mindestens drei Minuten über den Satz nachgedacht und überlegt, ob die Zeiten richtig verwendet worden sind — bei der Betrachtung von Werbung sind drei Minuten eine Ewigkeit. Ich konnte allerdings keinen Fehler bei Vor- und Nachzeitigkeit feststellen.

Obwohl ich keine Reise plane, habe ich mir anschließend die zu start.de gehörige Website angesehen, konnte dort jedoch nur einen unscheinbaren Hinweis auf diese ungewöhnliche Kampagne finden: Nur ein Banner mit der Aufschrift “Möchtest du eine Traumreise gewonnen haben?” deutet auf das Konzept der atemberaubenden Grammatik hin. Dort wurde erneut das Futur II wiederverwendet, um den Wiedererkennungswert zu steigern — im Gegensatz zum Text der Anzeige hat diese Frage aber überhaupt keine Aussagekraft. Sprachexperten mögen nun einwenden, dass das bei Fragen auch unüblich ist, aber die Werbeinteressierten wissen was ich meine.

Vielleicht läuft die Kampagne auch erst an, und die Anzeige ist vor der Zeit erschienen. Ich vermute, dass die Magazine einen Monat lang in den Zügen ausliegen und natürlich möglichst über die gesamte Lebensdauer einen aktuellen Inhalt vermitteln sollen. In einem Artikel stand beispielsweise “seit Oktober [2006]”, was einen rückblickenden Betrachtungspunkt ausdrückt. Da ich diesen Satz aber bereits am 30. September gelesen habe, wurde hier ein wenig vorgegriffen.

Wenn die auffällige Konstruktion allerdings nicht umfangreicher als in dieser einen Anzeige genutzt wird, ist es schade um die tolle Idee. Ich fühlte mich stärker angesprochen als von einem Werbespot für Expedia, in dem ein jamaikanisch-deutsches Shaggy-Imitat zusammen mit 30 Bikini-Bunnies durch eine Pool-Landschaft eines Hotels hüpft. Vermutlich wirkt Werbung besser, wenn sie niedere Instinkte anspricht.

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