Ein neuer Sheriff in der Stadt

Ich bin ein schlimmer Choleriker, wenn ich Auto fahre und es nicht so voran geht wie ich es will. Zum Glück habe ich kein eigenes Auto, sonst wäre mein Herzinfarktrisiko enorm hoch. Ich wohne in Braunschweig, was die Lage zusätzlich verschlimmert, weil die meisten Braunschweiger absolut keine Ahnung vom Verhalten im Straßenverkehr haben.

Ich fahre Fahrrad, und das sehr gerne. Weil ich so ein überaus hartgesottener Norddeutscher bin auch im Regen. Nieselregen ist übrigens angenehm erfrischend, aber das schärfste ist Nebel. Das ist aber ein anderes Thema.

Ich wäre schon einige Male in einen Unfall verwickelt worden, wenn ich nicht so verteufelt aufpassen würde. Auf meinem Weg zur Uni überquere ich auf dem Radweg eine breite Straße mit Straßenbahnschienen, die mit einer eigenen Abbiegerspur in die Hauptstraße mündet (Ecke Gliesmaroder Straße/Humboldtstraße, Stadtplan courtesy of Stadt Braunschweig). Die Abbieger fahren auf ihrer Spur auf die zweispurige Humboldtstraße, dennoch steht vor der Kurve ein Vorfahrt-achten-Schild, da Zebrastreifen und Radweg über die Straße führen. Manche hirnverbrannten Idioten beachten das Schild natürlich überhaupt nicht und fahren mit 40 km/h in die Kurve und nehmen mir die Vorfahrt. Dabei spielt es keine Rolle, dass ich mich auf dem Radweg der vorfahrtführenden Straße befinde. Ganz nebenbei gehöre ich zum Querverkehr, der immer Vorrang hat.

Glücklicherweise verfüge ich über einen sechsten Sinn im Verkehr und weiß genau, wann ein Fußgänger ohne zu gucken vor mir über den Radweg latscht oder ein Autofahrer mir die Vorfahrt zu nehmen droht. In mindestens 95% der Fälle liege ich richtig. Je nach Laune fahre ich um solche Fußgänger oder Autos herum, wenn ich keine Lust habe, mich zu ärgern. Oder ich schneide die Fußgänger, in dem ich ganz knapp (ganz knapp!) an ihnen vorbeifahre. Oder ich bremse mit blockierendem Hinterrad, so dass ich direkt neben der Fahrertür zum Stehen komme — der Autofahrer guckt dann zu recht meistens ziemlich blöd.

An der besagten Stelle (noch einmal die Skizze) gucke ich kurz, ob eine Straßenbahn kommt — der gewähre ich nämlich gerne die Vorfahrt, ich bin ja auch nicht lebensmüde. Außerdem hat sie im Straßenverkehr immer Vorfahrt. Wenn Autos kommen, fahre ich aber gerne auf die breite Straße, lege mir aber schon eine Ausweichmöglichkeit zurecht. Ich baue Blickkontakt auf, und die meisten Autofahrer kriegen dann noch rechtzeitig mit, dass sie warten müssen. Wenn das aber nicht der Fall ist, und ich abbremsen und danach wieder neu beschleunigen muss, könnte ich ausrasten. Ich fahre immer ein flottes Tempo, geschätzte 25 km/h, zum einen weil es mir Spaß bringt, zum anderen weil ich meistens spät dran bin. Da nervt Abbremsen und erneutes Beschleunigen schon enorm.

Zum Glück ging bislang alles gut. Die Reaktion reichten in gegenteiligen Fällen vom Fahren einer scharfen Kurve, so dass ich dicht neben der Autotür Auto fahre, über Verkehrserziehung mit dem Erklären von Schildern bis zum handfesten Streit mit übelsten Beschimpfungen. Vielleicht würde ich aber auch einfach regungslos unter dem Auto liegen bleiben. Reichten, weil an dieser Stelle bislang noch nichts schlimmes passiert ist, was auch ganz gut ist.

Verkehrserziehung scheint mir von all diesen Möglichkeiten noch die angenehmste Variante. Die Arbeit als Verkehrskasper könnte ich mir zwar durchaus vorstellen, aber wenn ich mit einem Sheriffstern im Straßenverkehr unterwegs sein und für Recht und Ordnung sorgen könnte, würde ich riesigen Spaß haben.

3 Gedanken zu „Ein neuer Sheriff in der Stadt

  1. Christian

    Ich habe ja bekannter- und erwiesenermaßen keine Ahnung von Rechtschreibung, aber müsste hinter dem “bin” im zweiten Absatz, zweiter Satz nicht ein Komma stehen? Du könntest zum Beispiel das nehmen, das du im vorherigen Satz, wie ich glaube, überflüssigerweise gesetzt hast.
    Vielleicht liege ich ja völlig falsch.
    Bei einem bin ich aber sicher: Das “courtesy of” ist eine unnötige englische Wendung und passt nun auch wirklich nicht zu dir!

  2. Lennard Artikelautor

    §1 Kommentare ohne inhaltlichen Bezug zum Beitrag, die stattdessen etwaige orthografische Fehler bemängeln, sind zu unterlassen.

    Ungeachtet dessen ein paar Worte zur Erklärung. Das Komma im ersten Satz in Zeile 5 (“[…], und das sehr gerne.”) habe ich gesetzt, weil der zweite Teil des Satzes ein neuer Gedanke ist, so dass u. U. ein Gedankenstrich (“–“) passender wäre. Ohne Komma oder Gedankenstrich fehlt nach meinem Dafürhalten die Pause beim Lesen oder Sprechen. Man kann noch darüber befinden, ob dieser Teil eine Ellipse ist (“[…], und das [tue ich] sehr gerne.”), so dass er zu einem Hauptsatz würde, der durch ein Komma vom vorigen Hauptsatz abzutrennen war . Nach der neuen Rechtschreibung kann ein Komma gesetzt werden, wenn dadurch die Lesbarkeit erhöht wird.

    In Zeile 6 habe ich kein Komma gesetzt, weil nach dem “bin” kein vollständiger Satz kommt, der erst das Setzen eines Kommas rechtfertigen würde. U. U. liegt es erneut im Ermessensspielraum des Autors. In diesem Fall ermesse ich, dass dort kein Komma zu stehen hat.

    Die Verwendung englischer Wortfetzen ist dem Einfluß des MC Winkel zuzuschreiben.

  3. martin

    Ich unterstütze die Sicht des Autors auf den Braunschweiger Straßenverkehr. Ich könnt’ mich grad jeden Tag drüber uffregen – eigentlich tue ich das auch.
    Das Nieselregen allerdings erfrischend sein soll und das auch noch bei geschätzten 3 – 8 °C Kälte, kann man wahrscheinlich nur verstehen wenn man in Schleßwig-Holstein aufgewachsen ist ;) Aber das hat dich ja schließlich auch zu dem gemacht was du bist: ein hartgesottener Norddeutscher!! ;)

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