An der Kasse vorgelassen werden

Wenn man zu Ikea fährt, sollte man nicht nur ein paar Tütchen Magnete für Metalltafeln kaufen, sondern eine komplette Wohnungseinrichtung. Nicht etwa um dem Konzern Umsätze zu bescheren, sondern um sich selbst vor einem Herzinfarkt zu schützen.

Mit drei Tüten Magneten stehe ich an einem völlig normalen Werktag an der Kasse. Bei Ikea ist soviel los, wie es für einen völlig normalen Werktag typisch ist. Ein Grüppchen von drei Frauen will mich sogar vorlassen — vermutlich wollen sie mir auf den Hintern starren. Sie kaschieren dieses Anliegen geschickt dadurch, dass sie meine drei Magnete ihren drei überladenen Einkaufswagen und der damit verbunden Differenz in der Wartezeit gegenüberstellen. Weil ich aber schon eher angefangen habe, den Frauen auf den Hintern zu starren, lehne ich dankend ab. Das war ein Fehler. Zum einen, weil sie ständig zwischen ihren Wagen und den Accessoires an der Kasse herumwuseln und man sie gar nicht fixieren kann. Zum anderen, weil sie prall gefüllte, nein, Einkaufswagen mit einem geschätzten Warenwert von 250 € haben. Pro Wagen. Entsprechend lange dauert das Vom-Wagen-hochheben, Aufs-Förderband-legen, Vom-Förderband-herunternehmen und Auf-den-Wagen-packen. Zum Glück beachten sie wenigstens den Hinweis auf die Lage der Kartons mit obenliegendem Strichcode; zudem ist die Frau an der Kasse trotz des völlig normalen Werktags sehr routiniert.

Anscheinend handelt es sich bei den drei Grazien um eine Mutter mit ihren zwei erwachsenen und allein lebenden Töchtern. Jede von ihnen hat Unmengen von Kleinkram. Ich als Pragmatiker hätte alles in einem Zug über die Kasse gezogen und nachher auseinander gerechnet. Bleibt ja in der Familie. Natürlich ist dieses Verfahren viel zu pragmatisch, mathematisch und total männlich-kompliziert. Stattdessen überlegen diese Damen bei jedem Ding, zu wem es denn gehört, weil sie geschickterweise alle Stücke gleichmäßig auf die drei Wagen verteilt haben. In der Ruhe liegt die Kraft.

Seitdem stürme ich mit “Jadankedasistabernett” sofort vorbei, sobald ich an der Mimik erkenne, dass mich jemand vorlassen möchte. Man macht einen Fehler nur einmal.

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