Archiv für den Monat: Dezember 2006

Meine Glamour und ich

Mir macht jemand ein “exklusives Lifestyle-Angebot für Esprit-Kunden. 6 Ausgaben Glamour und Schal oder Mütze von Esprit Sports für nur 10,90 €.” Klingt verlockend, trotz des Fehlers im Customer Relationship Management, und dann liegt dem Paket auch noch eine etwas veraltete Ausgabe vom 24.10. bei. Das Cover teast diese Artikel, gegen den Uhrzeigersinn, von oben links:

  • Nur in Glamour! AB SOFORT SCHÖNE HAUT — Clevere Masken, Peelings, Kuren & Cremes
  • 43 Seiten extra: Die perfekte Jeans für mich — Alle neuen Jeans von Lesern getestet Welche Labels die Stars jetzt lieben (und wo man sie bekommt)
  • Plus: Deutschlands junger Adel zeigt die besten Denim-Outfits
  • WIE LANGE KANN SEX SPANNEND BLEIBEN? 22 Frauen sagen: Mit diesen Tricks ewig
  • AUFREGEND: DIE MAKE-UPS FÜR DEN HERBST — Sie zaubern Sonne ins Gesicht
  • NICOLE RICHIE — Ihre kleinen Erfolgsgeheimnisse

Jetzt gibt es kein Halten mehr. Ich verschlinge jeden Artikel, mit besonders großem Interesse den über kleine Schwächen der Frauen, von einem Mann geschrieben, auf Seite 42, die Ergebnisse der Ist-es-okay-Umfrage auf Seite 50, das Interview mit Kirsten Dunst auf Seite 58, Nicole Richies Erfolgsgeheimnisse auf Seite 74, noch einen männlichen Beitrag über das Erkennen Fraus neuer Klamotten auf Seite 72, noch mehr Geheimnisse, diesmal von Fergie, auf Seite 86, Hautpflegetipps auf Seite 92, Neuigkeiten wie schlaues Serum, dass ganz schlau gefärbte Strähnen erkennt und sich dort nicht niederlässt (*seufz*) auf Seite 106, neue Make-up-Farben auf Seite 126, das Heft im Heft über das Jeanscamp auf Seite 138 und Dos & Don’ts über Partys feiern auf Seite 236. Zwischendurch überblättere ich so viele Anzeigen, aufgrund derer mein Marketingdozent im siebten Himmel wäre.

Jetzt weiß ich auch, dass die Form und Größe von Gesäßtaschen einer Jeans maßgeblich zur Gesamtoptik beitragen. Das Probeabo werde ich aber doch nicht wahrnehmen, Mütze und Schal passen nämlich nicht zu meinem ermitteltem Jeanstyp, siehe Seite 140.

Nicht nur das Customer Relationship Management ist überarbeitungsbedürftig, auch die Suchfunktion. Wenn ich z.B. nach Kirsten Dunst suche, taucht jeder Treffer doppelt auf, selbstverständlich mit unterschiedlich hoher Trefferquote. Interpretationen dieses Features1 in der offensichtlich Frauen zielgruppierenden Web Site gebe ich ausdrücklich nicht.

Wer das Ding, Heft oder Kärtchen für exklusives Probeabo, haben will, schreit laut in den Kommentaren.

  1. Zitat: It’s not a bug, it’s a feature. []

Mixed Tape 15 ist da

Zwar etwas verspätet, aber immerhin ist der Server jetzt nicht mehr überlastet. Das Mercedes-Benz Mixed Tape 15 enthält 15 Titel unterschiedlicher Genres von Interpreten, deren Namen bislang noch nicht in den Charts auftauchten.

Besonders der jüngste Nachwuchs darf diesmal zeigen, was er drauf hat: Während Headliner Ben Westbeech die gesamte Londoner Radiolandschaft für sich begeistert und Lady Destiny als aktuelle Nachwuchshoffnung der UK-Garage- und Dubstep-Szene souverän Musik, Radiomoderation, Journalismus und Studium unter einen Hut bringt, drückt die eine Hälfte des erfrischend frechen Hip Hop-Duos Diva’s Harmony sogar noch die Schulbank. Dagegen wirken Kristin Hild oder das britische Duo My Toys Like Me schon fast erwachsen, obwohl auch ihre charmant eigenwilligen Soul- und Pophits der Konkurrenz meilenweit voraus sind.

Das nächste Mixed Tape, die Nummer 16, erscheint am 27.02.2007.

Tapferes Schneiderlein

Mir macht es riesigen Spaß, zugenähte Taschen in Sakkos und Mänteln aufzutrennen. Ich könnte das den ganzen Tag machen. Sollte ich mir deswegen Gedanken machen? Sucht die Industrie vielleicht solche Leute? Vielleicht um stichprobenartig die Qualität dieser Nähte zu prüfen?

Schon als kleiner Junge hat es mich fasziniert, wie mein Vater es immer schafft, die zugenähten Holzkohlepapiertüten aufzupfriemeln, so dass man nur an einem Ende zu ziehen brauchte und der ganze Faden löste sich schmerzfrei. Bis heute bekomme ich das nicht hin. Entweder wird der Knoten nur noch schlimmer oder nach zwei Minuten verliere ich die Geduld — meistens beides zusammen. Dann bleibt nur Tüte aufreißen und sich besser fühlen.

Tipps fürs Leben: Modedesign

Wer seiner Hose gerne eine individuelle Note geben möchte — man spricht hier auch von Customizing –, der oder die sollte nach dem Regen auf einem Fahrrad fahren, bei dem sich an den Kurbeln auf Höhe des Tretlagers Rost angesetzt hat. Durch den Regen funktioniert der Farbtransfer absolut zuverlässig. Es sind wirklich wunderschöne Akzente geworden.

Mehr Tipps fürs Leben?

Ich bin ein energischer Macher

Ich sei ein energischer Macher, sagt mir Egoload, nachdem ich bei vier Charaktermerkmalen die insgesamt treffendere Antwortengruppe ausgewählt habe. Das geht ziemlich schnell und nach wenigen Minuten weiß man, welcher Typ man ist (vollständige Charakterisierung):

Der energische Macher ist ein fröhlicher und spontaner Mensch. Er ist charmant und voller Energie und ein ausgesprochener Mann (oder Frau) der Tat. Auch in schwierigen Situationen bewahrt er einen kühlen Kopf und die Übersicht. Das macht ihn zu einem begehrten Problemlöser. Seine Fähigkeit, Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten, ist phänomenal. Auch für seine Mitmenschen hat er eine ausgezeichnete Beobachtungsgabe und ein feines Gespür. Er ist scharfsinnig, geistreich, klug und hat eine natürliche Fähigkeit, andere von seinem Standpunkt zu überzeugen. Der energische Macher lebt ganz im Hier und Jetzt und entscheidet spontan von Augenblick zu Augenblick. Er liebt es, mit anderen Menschen zusammen zu sein und ist ein sinnenfreudiger, lebendiger und amüsanter Gesellschafter. Für ihn ist es kein Problem, der sprühende Mittelpunkt der Party zu sein, und er ist ein großzügiger, geschickter und guter Gastgeber. Langes Grübeln über die Konsequenzen liegt dem energischen Macher nicht: er erfasst alle relevanten Fakten blitzschnell, trifft eine pragmatische Entscheidung und setzt diese voller Elan um. Stellt sie sich später als falsch heraus, kann man immer noch umdisponieren.

Das ist ein bisschen wie Horoskop lesen und hoffen, dass einem das Ergebnis gefällt. Ich kann mich weitestgehend damit identifizieren, wobei natürlich die Übereinstimmung mit den vorgegeben gruppierten Antworten auch sehr gering sein kann, wenn kaum etwas zutrifft.

[via Nerdcore]

Ich bin ein Herr

Ich stehe auf dem Weihnachtsmarkt an einem Gebäckstand und warte auf meine mittelgroße Tüte Mutzen für 3 €. Zwei ältere Damen suchen das Ende der Schlange, die aus einem Vater mit zwei Kindern und mir besteht. Der Mann vor mir bekommt gerade seine Tüte.

Frau 1: Wo müssen wir uns denn anstellen?
Frau 2: (meint mich) Hinter dem Herrn dort!

Ich bin 23 und sehe auch so aus. Allerdings häufen sich die Ereignisse, bei denen ich älter eingeschätzt werde, als ich tastächlich bin. Zum letzten Mal habe ich vor etwa einem Jahr in der Stadt zwei Freikarten für einen neu eröffneten Club geschenkt bekommen. In dem kurzen Gespräch schätzten mich die beiden jungen Frauen (Anfang 20, so wie ich) auf 26 ein. Beide Male hatte ich einen braunen Mantel mit klassischem Schnitt an, d.h. bis knapp zum Knie reichend, mit langem Revers und verdeckter Knopfleiste. Die beiden Frauen haben damals auch sofort den Mantel als Schuldigen identifiziert. Ich muss das Ding unbedingt loswerden, die ersten hellen Haare in den Koteletten reichen mir schon.

…finden Sie hier oben!

Der Höhepunkt der Adoleszenz ist das erste Mal gesiezt zu werden. Ich war wohl 16 und sollte für meine Mutter eine Backzutat aus dem örtlichen Plaza-Supermarkt (gehört zur Metro-Kette) besorgen. Natürlich wusste ich nicht, was diese Zutat genau ist, aber zum Glück hatte ich einen Einkaufszettel, auf dem das Wort draufstand. Ein buchstabenweiser Vergleich mit der Packungsaufschrift würde wohl zum Erfolg führen.

Nachdem ich zehn Minuten lang immer wieder durch die Regalreihe mit den Backzutaten gegangen bin und mir wirklich jede Packung genau angeguckt und beurteilt hatte, ob das eventuell hinkommen könnte, ist mir der Kragen geplatzt und ich habe eine Angestellte gefragt. Normalerweise möchte ich mein Unvermögen, Sachen im Supermarkt finden zu können, nicht eingestehen. Lieber laufe ich durch den gesamten Supermarkt als nach irgendwelchen Sachen zu fragen, die auf keinen Fall dort eingeräumt sind, wo es Sinn machen würde, z.B. Kaffeesahne beim Kaffee (schlechtes Beispiel, denn hier stimmt die Logik). In diesem Fall musste aber ich eine Ausnahme machen, weil ich sonst bei Ladenschluß immer noch um die Regale laufen würde.

Guten Tag, ich suche komische Backzutat1, können Sie mir sagen, wo ich die finde?

Die hilfsbereite Dame führte mich wieder zum Backwarenregal, das ich mittlerweile auswendig kannte.

Komische Backzutat finden Sie hier oben!

Na toll, natürlich in Überaugenhöhe positioniert und in einer Packung, dessen Produktbild aus den achtziger Jahren stammt. Jeder Marketingmensch wird mir Recht geben, dass das menschliche Gehirn überhaupt nicht in der Lage ist, so eine Packung wahrzunehmen.

Ich wurde gesiezt! Völlig egal war jetzt, dass ich in bester Lohse-Manier minutenlang sämtliche Preisetiketten studiert hatte und gleich zielstrebig die eine von 20 Kassen auswählen würde, bei der es am längsten dauert.

  1. Vielleicht waren es Graupen, ich erinnere mich nicht mehr. []