Archiv für den Monat: Januar 2007

MacGyver-Montag

Manche Leute hassen den Montag, Garfield beispielsweise. Bei mir hält sich regelmäßig das eine-neue-Woche-beginnt-ich möchte-was-schaffen- und das eine-neue-Woche-
beginnt-in-fünf-Tagen-ist-wieder-Wochenende-Gefühl die Waage. Anhänger der letztgenannten Fraktion, die wie Garfield schon mal “I Hate Mondays”-Schilder gebastelt haben, finden bei den trivialerweise “I Hate Mondays” benannten Cartoons tiefreichende seelische Unterstützung.

Einer meiner besten Freunde hat mich längere Zeit als unreif eingestuft, weil ich auch in der sechsten Klasse noch die Micky Maus gelesen habe. Vermutlich ist aber gerade diese Frohnatur im Gegensatz zum lethargischen Fettsack mit dem Faible für Lasagne dafür verantwortlich, dass ich nicht ebenso montagsphob bin. Zudem verschönern Blogs wie The Daily WTF oder das gerade bei der Recherche gefundene Coding Horror den Alltag.

Um 8.00 Uhr wollte ich heute interessiert zuhörend in der Vorlesung sitzen. Bis ungefähr 7.50 Uhr ging auch alles gut, dann ist der oberste Knopf meines Mantels, der mich jünger erscheinen lässt, abgerissen und mit glockenhellem “Pling!” zu Boden auf den Marmorfußboden im weitläufigen Eingangsbereich gefallen. Zwar entsetzt von der schlampigen Verarbeitung wollte ich weder mit fehlendem Knopf den weitläufigen Eingangsbereich verlassen, noch mich vor dem Verlassen des weiträumigen Eingangsbereiches umziehen. Den Knopf wieder anzunähen stand sowas von überhaupt nicht zur Debatte, aus drei einfachen Gründen: 1. Ich wäre garantiert nicht mehr rechtzeitig zur Vorlesung gekommen. 2. Ich kann doch überhaupt keinen Knopf annähen. 3. Selbst wenn ich es könnte, ich habe gar kein Nähzeug.

Als Alternativen bietet sich eine Sicherheitsnadel an, die ich irgendwie durch die Knopflöcher würgen wollte. Als ich in meiner vollgemüllten Schublade nach einer solchen Sicherheitsnadel suche, liegt magischerweise genau eine Büroklammer daneben. Nach einer kurzen Aufwand-/Nutzenanalyse schmeiße ich die Sicherheitsnadel zurück in den Müllhaufen und biege die Büroklammer zu einem langen U. Dabei fällt auf, dass der Steg dieses Us magischerweise genau dem Lochabstand des Knopfes entspricht. Anschließend piekse ich die beiden Ende der Büroklammer durch den Stoff und biege sie auf der Innenseite wie eine Musterklammer um. Die scharfkantigen Enden umwickele ich noch mit Tesafilm.

Trotz dieser grandiosen Beschreibung ein (leider unscharfes und absolut unspektakuläres) Bild:

MayGyver-like mit Büroklammer Knopf befestigen

Zwar bin ich trotzdem knappe 10 Minuten zu spät gekommen, hatte aber unverschämtes Glück: Der Laptop wollte wohl nicht mit dem Beamer zusammenspielen und die Vorlesung fing erst um 8.12 Uhr an. Wenn das nicht alles perfekt passte — Magie.

Eine ebenso besorgte wie hilfsbereite Freundin hat mir gleich zwei Links herausgesucht, damit ich den Knopf doch auf einigermaßen professionelle Weise annähen kann, und gab mir den heißen Tipp, dass man Nähzeug doch in jedem Hotel mitgehen lassen könne. Bei der Auskleidung bei der Bundeswehr habe ich mich leider nicht getraut, neben dem Schuhputzzeug auch noch das Nähzeug (hui…) zu “verlieren”. Ich habe befürchtet die ganze Chose fliegt auf, der Geschwaderkommandeur ersetzt seine Unterschrift auf meiner Entlassungsurkunde mit einem :-P und ich werde unehrenhaft entlassen.

Wie sieht denn das auf dem Lebenslauf aus!? Da macht sich so eine MacGyver-Aktion doch viel besser.

Mitgehört (IV)

Es ist 19.50 Uhr, 10 Minuten vor Ladenschluß und ich (I) betrete einen Supermarkt, in dem eine Bäckereifiliale integriert ist. Mit Erleichterung sehe ich, dass das Brotregal trotz der Uhrzeit noch gut gefüllt ist, so dass ich mein Lieblingsbrot kaufen kann. Die Verkäuferin (V) macht schon die Tagesabrechnung.

I: “Ein halbes Bäckermischbrot, bitte.”
V: (genervt) “Dann muss ich die andere Hälfte ja abschreiben.”

Interessant, Brot als Geschäftsausstattung einer Bäckereifiliale wird auch abgeschrieben. Um mir selbst Ärger zu ersparen, habe ich darauf verzichtet, sie auf den Grenznutzen hinzuweisen, auch wenn ich nur ein halbes Brot kaufe und sie die andere Hälfte wegschmeißt: Ein halbes verkauftes Brot ist besser als ein ganzes, das nicht verkauft ist.

Mehr Mitgehörtes? Gerne.

Mitgehört (III)

Ich fahre auf dem Fahrrad auf dem Campus der TU Braunschweig an den Hörsälen der Chemie vorbei. Vier Jugendliche, alle etwa 20 Jahre alt, laufen auf der Straße, machen mir Platze als sie meinen lauten Dynamo hören und drehen sich um. Einer der vier (J) ruft mir zu:

J: “Wir wollten mal wissen, ob hier eine Vorlesung stattfindet. Über Autos?” (deutet auf das hinter ihm liegende Gebäude)
I: “Ähhh, keine Ahnung. Weiß ich echt nicht.”
J: “Weißt du nicht…”
I: “Ihr könnt da ja einfach mal reingucken.”
J: (überlegt)
I: “Ciao!”
J: “Danke, tschüs!”

In unmittelbarer Nähe befinden sich zwei große Hörsäle, ein in der Nähe noch sieben kleinere Räume. Ich hätte ihnen gerne weitergeholfen, wusste aber das gesamte Vorlesungsverzeichnis der TU plus Ringvorlesungen plus außerordentliche Gastvorträge leider nicht auswendig.

Mehr Mitgehörtes? Gerne.

Mitgehört (II)

Im Dezember 2005 im Aldi-Markt Kastanienallee, Braunschweig. Ich (I) stehe als Zweiter an einer der beiden geöffneten Kassen, vor mir sucht gerade eine Kundin das Geld zusammen. Diese Pause nutzt die Kassierin meiner Kasse (F), um ihrem Kollegen, einem etwa 17- oder 18-jährigen Azubi (A) noch zu sagen, dass sie bereits die bei ihm abgegebenen und in einem großen Plastiksack gesammelten Pfandflaschen weggebracht habe.

F: “Ich war so frei und habe schonmal deinen Sack rausgeholt.”
I: (vergreift sich ein Grinsen und überlegt, ob noch jemand die Doppeldeutigkeit mitbekommen hat)
A: (guckt mich völlig verstört an)
F: (lacht laut los)

Mehr Mitgehörtes? Gerne.

Mitgehört (I)

Unter dem Titel “Mitgehört” werde ich kurze Gesprächsfetzen veröffentlichen, die ich unfreiwillig anhören musste oder freiwillig mitgehört habe. Damit ziehe ich außer Konkurrenz meine eigene kleine Datenbank des Vorüberschreitens auf, die anscheinend keine E-Mails aus dem Ausland annehmen. Meine Einsendung ist hier.

Vor dem Edeka-Supermarkt in der Kastanienallee in Braunschweig, gegen 10 Uhr. Ein Ehepaar (Mann M, Frau F), beide etwa Mitte 40, begutachtet die halben Hähnchen, die schon in einem Imbisswagen brutzeln.

F: “Gut sind die aber noch nicht.”
M: “Doch, da in der Mitte. Aber die sind ja auch von gestern.”

Mehr Mitgehörtes? Gerne.

Blickkontakt an der Kasse

Ich kaufe ungern und nur im absoluten Notfall bei Penny ein. Ich kenne nur diese eine Filiale in der Nachbarschaft von innen, kann mir aber schwer vorstellen, dass andere Läden dieser Kette weniger vollgemüllt sind und gebildetere Kunden und freundlichere Verkäuferinnen und Verkäufer hat. Der absolute Notfall tritt etwa dann ein, wenn der Aldi-Markt samstags wegen Inventur schon um 16 Uhr schließt, ich um 16.05 Uhr vor der Tür stehe und unbedingt noch ein paar Dinge (auf dem Einkaufszettel: Mineralwasser, Brötchen, Fleisch, Flaschen zurückgeben) fürs Wochenende brauche. Ich muss schnell umdisponieren und entschließe mich allen bösen Vorahnungen zum Trotz mit meiner Tüte leerer Pfandflaschen über die Straße zu Penny zu gehen und dort die benötigten Dinge einzukaufen. Natürlich gibt es dort nur absolut ekliges stilles Wasser, was ich mir auf keinen Fall antun möchte. Weil es dort so vollgemüllt ist, verzichte ich auch auf den Kauf weiterer Artikel. Mein Einkaufszettel lautet jetzt Mineralwasser, Brötchen, Fleisch, Flaschen zurückgeben.

Zwar kann ein Supermarkt wenig für die Kundschaft, die dort üblichweise einkauft. Zwei Frauen, die es mit der Körperhygiene offensichtlich nicht so genau nehmen, stehen vor mir in der Schlange. Dieser Geruch ist einfach widerlich. Da ich nichts kaufe, halte ich meine Tüte mit den Flaschen in der Hand und habe keinen Warentrenner auf das Förderband gelegt, wozu denn auch. Als die übel riechenden, blödes Zeug quatschenden und nervigen Weiber vor mir endlich bezahlt und die Waren in die Original-Pennymarkttüte verstaut haben, zieht die Frau an der Kasse irgendeinen Artikel von der Kundin hinter mir über den Scanner. Auf mein freundliches aber bestimmtes “Moment, das ist nicht meins, ich hab nur Flaschen!” entgegnet sie “Das konnte ich nicht sehen.”. Anstatt diesen einen Artikel nun zu stornieren sagt diese B____ “Ich muss jetzt hier weitermachen.” und erfasst seelenruhig die folgenden Sachen, während ich wartend daneben stehe. Es ist natürlich zu viel verlangt, einmal kurz den nächsten Kunden anzusehen, nachdem sie mit ihren kleinen gierigen Fingern das Geld weggesteckt hat. In der entstehenden Verzögerung hätte ich mein besonderes Anliegen bestens vorbringen können. In allen anderen Supermärkten klappt das, nur bei Penny nicht. Meinetwegen braucht die Trulla mich auch nicht zu begrüßen, wenn ihr das zuwider sein sollte, aber Ansehen sollte doch wohl drin sein.

Ich möchte meinen Unmut über soviel Blödheit äußern, fange mit “Ja…” an, aber danach verschlägt es mir die Sprache. Ich würde gern durch die Anwendung von UZwGBw zum Ausdruck bringen, dass mir ihr Verhalten missfällt. Da ich kein Soldat mehr bin, lege ich mir alternativ schon eine einwandfreie Argumentation zurecht, verwerfe dann aber beide Pläne. Ich will mit dieser Schnepfe gar nicht diskutieren, weil sie es vermutlich nicht kann, schwachsinnige Argumente bringt und womöglich mir die Schuld für ihre eigene Unfähigkeit gibt. So macht diskutieren keinen Spaß, also lasse ich sie widerwillig gewähren. Alle Artikel sind jetzt endlich erfasst, die Kundin bezahlt. Ich stehe die ganze Zeit neben der Kasse. Während die Kassenfrau das Wechselgeld heraussucht, hält die Kundin ihr den Rücken frei: “Das konnte man wirklich nicht sehen.”. Sofort wäge ich wieder zwischen UZwGBw und Diskussion ab, komme aber zu dem gleichen Ergebnis. Ich habe jetzt richtig schlechte Laune und muss schnell aus diesem Proletenladen raus, bevor es doch noch zur Anwendung von UZwGBw kommt.

What comes before Part B?

Partay!

Prep-Unit: 'Tea Partay'

Wer sind denn diese drei eleganten und kultivierten Yuppies? Das sind Prep-Unit in ihrem Video “Tea Partay” — zu sehen bei Very Funny Ads. Mehr zum Thema, auch einen Style Guide, gibt es unter Tea Partay.com. Die Benimmregeln habe ich selbstverständlich bereits verinnerlicht, es fehlen nur noch eine Yacht und ein anständiges Portfolio, dann kann ich mich auch wieder auf dem Ehemaligentreffen sehen lassen.

Im Zeitraffer

Eine Premiere: Das erste eingebettete Video. Weil das in Zukunft bestimmt noch einige Male passieren wird und ich die Direktdings-Syntax von René so toll finde, habe ich das Plugin “Embedded Video with Link” von Stefan installiert.

YouTube Direktballons

Das Video zeigt den Start des Reno Balloon Race 2006 im Zeitraffer. Besonders süß finde ich die Ballons in Form einer Biene und einer Kuh. Ballonfahren möchte ich auch nochmal, genauso wie Fallschirmspringen. Letzteres wird sogar zum Schnäppchenpreis von 500 € im Unisport-Programm angeboten.

[via]

Psychologische Tricks mit der Mehrwertsteuer

Ich habe mich in die Fitness Company einschleusen lassen. Offensichtlich um Sport zu treiben, Muskeln aufzubauen, über Eiweißpräperate zu fachsimpeln oder einfach nur zu posen. Nichts von dem stimmt wirklich, abgesehen vielleicht vom Posen. Ich analysiere scharfsinning die dort praktizierten Marketingmethoden und werde sie veröffentlichen, sobald ich genug Einblicke gewonnen habe; ähnlich wie DonAlphonso mit den Ergebnissen zum StudiVZ.

Das Marketing bei der Fitness Company, auch liebevoll Fitcom genannt, ist sehr darauf ausgerichtet, Anreize für eine Mitgliedschaft zu schaffen. Verwunderlich, wenn es nicht so wäre. Bevor ich den Vertrag unterschrieben habe, hat mich ein Mitarbeiter herumgeführt und mir erzählt, was das Studio zu bieten hat. Ich hatte mich schon im Vorfeld entschieden und so hatte ich nichts dagegen, noch am gleichen Tag Mitglied zu werden. Deshalb und weil ich mich die 12-monatige Laufzeit gewählt habe, hat dieser Mitarbeiter mir “spontan” als Dankeschön 20 € geschenkt, die als Guthaben auf die mit RFID-Etikett versehenen Kundenkarte gebucht wurden. So spontan schien es zwar nicht zu sein, aber die Geste finde ich äußerst nett, auch wenn sie von der Konzernleitung diktiert wird.

Wegen der Mehrwertsteuererhöhung muss auch die Fitcom ihre Preise anpassen. Der monatliche Mitgliedsbeitrag wird nach oben korrigiert und per Lastschrift eingezogen. Weil diese Änderung den meisten Kunden beim Vertragsabschluß nicht präsent war und sich vielleicht sogar die Vertragsbedingungen ändern (ich erwarte Kommentare von angehenden Juristen), haben sich die cleveren Leute etwas nettes ausgedacht.

Anfang Dezember bekam ich einen Brief, in dem man sich für die Preiserhöhung entschuldigt. Der Plan zur Wiedergutmachung sieht nun folgendermaßen aus: 1. Der Kunde zahlt ganz normal die zusätzlichen 3% Mehrwertsteuer auf die Leistungen, die die Fitcom 2007 im Rahmen des Vertrages erbringen wird. 2. Fitcom schreibt jedem Kunden auf seiner mit RFID-Etikett versehenen Kundenkarte genau diesen Betrag als Guthaben gut (ja, stilistisch unschön, aber so sagt man das nunmal in der Buchführung).

Die Folge ist, dass die Erhöhung nicht an die Kunden weitergereicht wird, sondern dass die Fitness Company die Erhöhung vollständig selbst trägt. Es hätte mich auch gewundert, wenn bei der Beitragshöhe nicht noch Spielraum wäre. Viel interessanter ist allerdings das Verfahren: Anstatt dem Kunden lediglich mitzuteilen, dass er weiterhin nur 16% Mehrwertsteuer bezahlt, wird über das Tut-uns-Leid erst Sympathie aufgebaut und offenbart, dass man die Kosten leider, leider weiterreichen müsse. Dann schenkt man ihm Guthaben in Höhe der zusätzlichen Kosten, was eine wesentlich stärkere Emotion auslösen und das Ansehen der Fitcom enorm steigern dürfte. Sehr clever — aber ich habe es trotzdem durchschaut.

Kleine Geschenke

Ein blöder Spruch als Opener: Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Volker Weber, der unter vowe dot net ausdrücklich nicht bloggt, kenne ich zwar nicht persönlich, lese aber regelmäßig sein Blog, welches ausdrücklich keines ist. Seit kurzem verschenkt er jeweils einen Gutschein über drei Songs für den iTunes Store an diejenigen, die sich kurz mit einer E-Mail bei ihm melden. In den Kommentaren ist die schöne Idee entstanden, die ausgesuchten Stücke als Anreiz für andere zu nennen.

Ich habe mir folgende Lieder ausgesucht:

Lee Coulter – Booty Voodoo
Monrose – Shame (Radio Edit)
Gia Farrell – Hit Me Up

Wenn ich jetzt noch eine Kreditkarte hätte, hätte ich den Gutschein bereits eingelöst. Eine American Express Card mit dem ästhetischen Prätorianer im Logo kann man schon ab einem Jahresbruttoeinkommen von 23.000 € bekommen — der reine Wahnsinn. Bis es soweit ist, kann ich meinen Studentenstatus bei der Suche nach günstigeren Angeboten nutzen.