Mitgehört (VII)

Die schärfsten Dinge passieren anscheinend immer wenn ich Brot kaufe. So gesehen war es richtig, dass ich meinen Eltern ihre Brotbackmaschine wieder zurückgegeben habe und mein Brot wieder in der Bäckereifiliale im Supermarkt kaufe.

Ich erinnere mich noch daran, wie ich als kleiner Junge regelmäßig an der Theke mutwillig übersehen wurde, weil ich doch bestimmt zu einem Erwachsenen gehöre und 6-jährige ja wohl nicht alleine Brötchen kaufen gehen. Mit diesem Wissen habe ich (I) mich an der Theke rechts neben ein kleines Mädchen gestellt, das auch etwa sechs Jahre alt ist und auf die Verkäuferin (V) wartet. Nach einer Minute kommt eine weitere Kundin (K) und stellt sich links neben uns. Mein siebter Sinn sagt mir sofort, dass das noch Ärger gibt. Kurz darauf kommt der Vater (M) des kleinen Mädchens, der gerade seine Einkäufe an der Supermarktkasse bezahlt hat, zeitgleich die Verkäuferin.

V: “Bitte schön?” (guckt sich fragend um)
K: (guckt mich an) “Ich glaube der junge Mann bekommt.”
I: (deutet auf das Mädchen)

Bis hierhin ist noch alles in Ordnung. Das kleine Mädchen traut sich verständlicherweise in Gegenwart von drei fremden Erwachsenen nicht sofort und hat zudem auch nicht mitbekommen, dass es an der Reihe ist. Ihr Vater ermutigt sie und sie gibt die Bestellung auf. Währenddessen guckt mich K die ganze Zeit verständnislos an.

K ist anscheinend gereizt, vermutlich weil ihre Intrigen auf der Arbeit nicht richtig fruchten. Durch ihren Blick will sie mir signalisieren, dass ich bestellen soll und vertraut mir nicht, dass ich die richtige Reihenfolge einhalte. Sie murmelt etwas während sie den Kopf schüttelt, das meine 24er-Ohren als “Nicht alle auf einmal” ausmachen. Weil ich gerade ihre Motive analysiere, reagiere ich nicht sofort auf ihre Aufforderung und antworte erst viel später mit einem

I: “Hmm?”
K: (dreht sich genervt weg) “Nee, schon gut…”

Irgendwie verwirrt ob dieser gestörten Frau gucke ich den Vater des Mädchens an, der mich schon beim Hereinkommen beäugt hat, als ahnte er, dass ich mich vordrängeln könnte. Er grinst mich an und aus seinem darauffolgenden leichten Kopfschütteln lese ich:

M: “Ja, ich weiß auch nicht. Die Alte hat einen Schaden.”

Mehr Mitgehörtes? Gerne.

Ein Gedanke zu „Mitgehört (VII)

  1. Christian

    Zum historischen Praesens:

    Als ich den ersten Absatz das erste mal las, meinte ich eine Tempusinkosistenz entdeckt zu haben. Der erste Satz der Schilderung beginnt im Perfekt. Nach kurzer Anayse ist mir aber klar geworden, dass dies zum ausdruck bring, dass die Geschehensbeschreibung erst nach dem Anstellen an der Kasse begint, also das Anstellen zum uebrigen Ablauf vorzeitig ist.
    Um solchen Verwirrungen vorzubeugen kann es sinnvoll sein, das als erstes Verb der Schilderung eines im Praesens zu verwenden, das Vorzeitige geschehen also nur einzuschieben oder den Verlaufsstrang schon frueher (im Praesens) zu beginnen. Diese Variante, ist hier Problemfrei moeglich, weil das Anstellen und das an der Theke stehen in engem zeitlichen Zusammenhang steht. Also: Mit diesem Wissen stelle ich mich neben…
    Andererseits ist die Verwirrung die sich daraus egibt, dass der Leser nicht weiss, dass es sich beim Anstellen um eine vorzeitige Handlung handelt, weil bis zu diesem Abschnitt des Textes noch nicht deutlich wird, dass das historische Praesens verwendet wird natuerlich noch zumutbar.

    Soa.

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