Schlagwort-Archiv: mitgehört

Mitgehört (XI)

Über das lange Wochenende bin ich zu meinen Eltern gefahren. Das Telefon im Wohnzimmer klingelt; weil ich (I) gerade alleine bin, gehe ich ran. (Meine Gesprächspartnerin (G) ist weiblich; Vornamen anonymisiert.)

I: “Timm?”
G: “Einen schönen guten Abend, G von Tele2. Spreche ich mit Herrn oder Frau Timm?”

Sollte man meinen, wenn ich mich mit meinem Nachnamen melde und eine Männerstimme habe, nä?

I: “Ja, aber nicht mit dem Inhaber des Haushalts.”
G: “Ach so, und wer ist Inhaber des Haushalts?”
I: “X. Timm”
G: “Und wann kann ich die Inhaber erreichen?”
I: “Heute nicht mehr.”
G: “Und wer ist dann Frau Y. Timm?”
I: “Meine Schwester.”
G: “OK, dann ist hier in meinem Computer irgendwas falsch. Ich wünsche noch einen schönen Abend — und ein schönes Wochenende.”
I: “Danke schön, wünsche ich Ihnen auch.”

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Mitgehört (IX)

Im Supermarkt, kurz vor Ladenschluß. Ein älterer Herr (H) kauft eine Flasche Wein, zählt seine Cents zusammen und stapelt sie vor der Flasche auf dem Laufband. Ich (I) denke daran, dass ich das Geld nicht dorthin legen würde. Er guckt mich an:

H: “Wär doch gelacht, wenn ich das nicht zusammen bekäme!”
I: (lächelt aus Höflichkeit)

Der Kunde vor H bezahlt gerade, das Laufband fährt weiter. Anscheinend hat es sich noch nicht überall herumgesprochen, dass die Laufbänder der Moderen eine Lichtschranke am Ende haben, so dass die Kassiererin nicht selbst die Artikel weiterlaufen lassen muss. Die Lichtschranke “sieht” die Münzhaufen natürlich nicht und lässt das Band brav weiter laufen, bis die Flasche in Sichtweite ist. Die sorgfältig zusammengezählten Cents verschwinden klimpernd im Spalt zwischen Laufband und Kassentisch, während H verzweifelt versucht, sein Vermögen zu retten. Auch eine Möglichkeit, sein Kleingeld loszuwerden.

H zahlt jetzt doch mit einem Zwei-Euro-Stück.

H: “Und der Rest ist Tip [engl.: Trinkgeld].” (deutet auf den Boden, wo jetzt wohl sein Geld liegt)

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Mitgehört (VIII)

Im Supermarkt (ja, mal wieder…): Die Verkäuferin (V) an der Fleischtheke wiegt geschnittene Salami ab:

V: “Die ist fast noch ‘n bisschen frisch.”

Schnell schickt sie die Korrektur hinterher:

V: “Die Scheiben könnten ein bisschen fester sein.”

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Mitgehört (VII)

Die schärfsten Dinge passieren anscheinend immer wenn ich Brot kaufe. So gesehen war es richtig, dass ich meinen Eltern ihre Brotbackmaschine wieder zurückgegeben habe und mein Brot wieder in der Bäckereifiliale im Supermarkt kaufe.

Ich erinnere mich noch daran, wie ich als kleiner Junge regelmäßig an der Theke mutwillig übersehen wurde, weil ich doch bestimmt zu einem Erwachsenen gehöre und 6-jährige ja wohl nicht alleine Brötchen kaufen gehen. Mit diesem Wissen habe ich (I) mich an der Theke rechts neben ein kleines Mädchen gestellt, das auch etwa sechs Jahre alt ist und auf die Verkäuferin (V) wartet. Nach einer Minute kommt eine weitere Kundin (K) und stellt sich links neben uns. Mein siebter Sinn sagt mir sofort, dass das noch Ärger gibt. Kurz darauf kommt der Vater (M) des kleinen Mädchens, der gerade seine Einkäufe an der Supermarktkasse bezahlt hat, zeitgleich die Verkäuferin.

V: “Bitte schön?” (guckt sich fragend um)
K: (guckt mich an) “Ich glaube der junge Mann bekommt.”
I: (deutet auf das Mädchen)

Bis hierhin ist noch alles in Ordnung. Das kleine Mädchen traut sich verständlicherweise in Gegenwart von drei fremden Erwachsenen nicht sofort und hat zudem auch nicht mitbekommen, dass es an der Reihe ist. Ihr Vater ermutigt sie und sie gibt die Bestellung auf. Währenddessen guckt mich K die ganze Zeit verständnislos an.

K ist anscheinend gereizt, vermutlich weil ihre Intrigen auf der Arbeit nicht richtig fruchten. Durch ihren Blick will sie mir signalisieren, dass ich bestellen soll und vertraut mir nicht, dass ich die richtige Reihenfolge einhalte. Sie murmelt etwas während sie den Kopf schüttelt, das meine 24er-Ohren als “Nicht alle auf einmal” ausmachen. Weil ich gerade ihre Motive analysiere, reagiere ich nicht sofort auf ihre Aufforderung und antworte erst viel später mit einem

I: “Hmm?”
K: (dreht sich genervt weg) “Nee, schon gut…”

Irgendwie verwirrt ob dieser gestörten Frau gucke ich den Vater des Mädchens an, der mich schon beim Hereinkommen beäugt hat, als ahnte er, dass ich mich vordrängeln könnte. Er grinst mich an und aus seinem darauffolgenden leichten Kopfschütteln lese ich:

M: “Ja, ich weiß auch nicht. Die Alte hat einen Schaden.”

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Mitgehört (VI)

In einem Schreibwarengeschäft kaufe ich eine neue Mine für einen Kugelschreiber und bitte eine Verkäuferin (V) um Hilfe, da ich eine Sondergröße brauche. Zum Test setzt sie die Mine in den Kugelschreiber ein, den ich dann wieder einstecke. Später an der Kasse fragt sie mich direkt:

V: “Hat er die Mine jetzt genommen?”

Ich kenne diese Redeweise mittlerweile schon, aber beim ersten Mal musste ich ein breites Grinsen unterdrücken.

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Mitgehört (V)

Vor einem Geschäft stehen drei ältere Damen im Rentenalter. Ihre Unterhaltung haben sie gerade beendet und verabschieden sich voneinander. Zwei gehen zu Fuß (F1, F2), eine (F3) fährt auf dem Fahrrad davon.

F1: “Machs gut, Schätzchen!”

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Mitgehört (IV)

Es ist 19.50 Uhr, 10 Minuten vor Ladenschluß und ich (I) betrete einen Supermarkt, in dem eine Bäckereifiliale integriert ist. Mit Erleichterung sehe ich, dass das Brotregal trotz der Uhrzeit noch gut gefüllt ist, so dass ich mein Lieblingsbrot kaufen kann. Die Verkäuferin (V) macht schon die Tagesabrechnung.

I: “Ein halbes Bäckermischbrot, bitte.”
V: (genervt) “Dann muss ich die andere Hälfte ja abschreiben.”

Interessant, Brot als Geschäftsausstattung einer Bäckereifiliale wird auch abgeschrieben. Um mir selbst Ärger zu ersparen, habe ich darauf verzichtet, sie auf den Grenznutzen hinzuweisen, auch wenn ich nur ein halbes Brot kaufe und sie die andere Hälfte wegschmeißt: Ein halbes verkauftes Brot ist besser als ein ganzes, das nicht verkauft ist.

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Mitgehört (III)

Ich fahre auf dem Fahrrad auf dem Campus der TU Braunschweig an den Hörsälen der Chemie vorbei. Vier Jugendliche, alle etwa 20 Jahre alt, laufen auf der Straße, machen mir Platze als sie meinen lauten Dynamo hören und drehen sich um. Einer der vier (J) ruft mir zu:

J: “Wir wollten mal wissen, ob hier eine Vorlesung stattfindet. Über Autos?” (deutet auf das hinter ihm liegende Gebäude)
I: “Ähhh, keine Ahnung. Weiß ich echt nicht.”
J: “Weißt du nicht…”
I: “Ihr könnt da ja einfach mal reingucken.”
J: (überlegt)
I: “Ciao!”
J: “Danke, tschüs!”

In unmittelbarer Nähe befinden sich zwei große Hörsäle, ein in der Nähe noch sieben kleinere Räume. Ich hätte ihnen gerne weitergeholfen, wusste aber das gesamte Vorlesungsverzeichnis der TU plus Ringvorlesungen plus außerordentliche Gastvorträge leider nicht auswendig.

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Mitgehört (II)

Im Dezember 2005 im Aldi-Markt Kastanienallee, Braunschweig. Ich (I) stehe als Zweiter an einer der beiden geöffneten Kassen, vor mir sucht gerade eine Kundin das Geld zusammen. Diese Pause nutzt die Kassierin meiner Kasse (F), um ihrem Kollegen, einem etwa 17- oder 18-jährigen Azubi (A) noch zu sagen, dass sie bereits die bei ihm abgegebenen und in einem großen Plastiksack gesammelten Pfandflaschen weggebracht habe.

F: “Ich war so frei und habe schonmal deinen Sack rausgeholt.”
I: (vergreift sich ein Grinsen und überlegt, ob noch jemand die Doppeldeutigkeit mitbekommen hat)
A: (guckt mich völlig verstört an)
F: (lacht laut los)

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