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Männersache

In der Verpackung des After Shave findet man ab jetzt Beipackzettel, zumindest bei “Milder Balsam” von Nivea. Eine Bedienungsanleitung oder Hinweise zu Risiken und Nebenwirkungen bei oralem Konsum sind zwar leider immer noch nicht abgedruckt, dafür finden sich aber wertvolle Erklärungen zur Produktpalette. Ich könnte auch einfach Werbeblatt dazu sagen.

Die übersichtliche Darstellung finde ich ganz praktisch, um mal einen Überblick zu bekommen. Im Supermarkt stehen auf endlosen laufenden Metern die kleinen Packungen aneinandergereiht und natürlich hat jeder ernstzunehmende Hersteller mindestens drei Produktlinien. Nicht etwa aus Marketinggründen, sondern mit feinen Unterschieden. Sich hier zurecht zu finden ist nahezu aussichtslos. Im Supermarkt kann man es von vorneherein vergessen und greift sich je nach Gefühlslage am besten die Packung mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis, dem coolsten Namen oder dem strengsten Geruch.

Die Lage ist aber nicht aussichtslos. Schließlich gibt es den Nivea Konfigurator unter der absolut männlichen Adresse www.nivea.de/maenner (*grunz*). Es öffnet sich mit ein Popup mit einem sogenannten Interface, das an Bedienpulte von Maschinen erinnern soll. 2000 musste jeder Grafiker so ein Ding mit mindestens 100 Ebenen in Photoshop gebastelt und auf seiner Homepage eingebaut haben, wenn er akzeptiert werden wollte. Selbstverständlich macht dieses Interface Geräusche wie bei einer Mechanik und ein Ein-/Aus-Schalter ist auch vorhanden.


Nivea Konfigurator

Diese Geräusche gehen mir zwar nach 10 Sekunden schon wieder auf die Nerven, aber z.B. Drehschalter und Kulissenschaltung als Bedienelemente gefallen mir sehr. Nach aufwändigen Berechnungen konnte der Konfigurator meine optimale Pflegemittelkonfiguration ermitteln.

Wie sieht es bei euch aus, habt ihr über den Konfigurator ein neues Setup gefunden?

Designed by Madonna

Eine tödliche Mischung aus Langeweile, Neugier und Wissen-wollen-was-frau-jetzt-so-trägt haben mich dazu gebracht, mir die Madonna-Kollektion auf der Website von H&M anzusehen. Um in einer Filiale zwischen den Kleiderständern umherzuschleichen reichte die Lethalität dann doch nicht aus.

H&M haben eine waschechte Poser-Website: Alles in Flash, alles ganz hübsch anzusehen, aber null Informationen und ätzend langsam.

Die Madonna-Microsite — wenn man sie so nennen kann — zeigt eine weitläufige grellweiße Halle, in der auf einem Podest Madonnas Kreativarbeitsplatz steht; etwas entfernt davon sitzt ihre Sekretärin an einem Schreibtisch und bedient zwei MacBooks gleichzeitig. So einer Poserin.

Zur Anprobe der Kollektion gelangt man, wenn man durch Schiebetür links neben diesem Arbeitsplatz geht. Wir sehen einen schicken begehbaren Kleiderschrank in Nussholz, einen Torso und die uns bereits bekannte Sekretärin. Sie steht aber nicht einfach nur dekorativ da, sondern hat einen Auftrag. Wenn der Torso das nächste Kleidungsstück zeigen soll, bringt sie ihn durch magische Madonnakraft und ihren abwertenden Blick in Rotation, wodurch das aktuell gezeigte Kleidungsstück in das neue übergeht. Der absolute Wahnsinn. Wie macht sie das nur?

Designed by Madonna bei H&M

Diese Idee, die stilvolle, moderne Gestaltung und die Umsetzung gefallen mir tatsächlich ganz gut, abgesehen von der Geschwindigkeit, mit der die Aktionen ablaufen. Mein Fazit wäre nicht komplett, würde ich nicht auch noch auf die Klamotten eingehen. Dank langjähriger Erfahrung mit Klatsch-Blogs, Berichten im Radio und nicht zuletzt Madonnas Mitwirken im Bond-Film “Stirb an einem anderen Tag” kann ich ruhigen Gewissens sagen: “Designed by Madonna” kommt hin.

Mehr Superbowl-Werbung

Enttäuscht habe ich festgestellt, dass im deutschen Fernsehen bei der Übertragung des Superbowl die legendäre Werbung nicht gezeigt wird. Direkt nach dem Aufstehen, es war wohl so gegen 15 Uhr, finde ich beim Überfliegen der RSS-Feeds beim Werbeblogger den Hinweis auf YouTubes Supervote. Hervorragend. Ich verzichte darauf, meine eigene Rangliste der Spots zu erstellen, gucke mir aber jeden einzelnen an.

Abends schreibt Volker über seinen Favoriten, “Reception” für Bud Light, und verweist auf das konkurrierende Special beim konkurrierenden Videoanbieter iFilm. Aus mir unbekannten Gründen gibt es dort für den diesjährigen Superbowl viel mehr Videos als bei YouTube. Das Delta der Spots habe ich bislang aber immer noch nicht gesehen. Eine Möglichkeit zum Abstimmen, die ich sowieso nicht nutze, bietet iFilm zwar nicht, dafür stehen aber alle sagen wir vorsichtshalber mal ziemlich viele seit 2002 gezeigten Spots Gewehr bei Fuß. Hervorragend.

Meine brilliante Schlußfolgerung, dass die damals von einem YouTube-Vorgänger (dessen Name mir jetzt nicht mehr einfällt) heruntergeladenen und ins Repository hochgeladenen Videos von 2005 stammen müssen, konnte ich dank des Archivs bestätigen. Hervorragend, quod erat demonstrandum.

What comes before Part B?

Partay!

Prep-Unit: 'Tea Partay'

Wer sind denn diese drei eleganten und kultivierten Yuppies? Das sind Prep-Unit in ihrem Video “Tea Partay” — zu sehen bei Very Funny Ads. Mehr zum Thema, auch einen Style Guide, gibt es unter Tea Partay.com. Die Benimmregeln habe ich selbstverständlich bereits verinnerlicht, es fehlen nur noch eine Yacht und ein anständiges Portfolio, dann kann ich mich auch wieder auf dem Ehemaligentreffen sehen lassen.

Psychologische Tricks mit der Mehrwertsteuer

Ich habe mich in die Fitness Company einschleusen lassen. Offensichtlich um Sport zu treiben, Muskeln aufzubauen, über Eiweißpräperate zu fachsimpeln oder einfach nur zu posen. Nichts von dem stimmt wirklich, abgesehen vielleicht vom Posen. Ich analysiere scharfsinning die dort praktizierten Marketingmethoden und werde sie veröffentlichen, sobald ich genug Einblicke gewonnen habe; ähnlich wie DonAlphonso mit den Ergebnissen zum StudiVZ.

Das Marketing bei der Fitness Company, auch liebevoll Fitcom genannt, ist sehr darauf ausgerichtet, Anreize für eine Mitgliedschaft zu schaffen. Verwunderlich, wenn es nicht so wäre. Bevor ich den Vertrag unterschrieben habe, hat mich ein Mitarbeiter herumgeführt und mir erzählt, was das Studio zu bieten hat. Ich hatte mich schon im Vorfeld entschieden und so hatte ich nichts dagegen, noch am gleichen Tag Mitglied zu werden. Deshalb und weil ich mich die 12-monatige Laufzeit gewählt habe, hat dieser Mitarbeiter mir “spontan” als Dankeschön 20 € geschenkt, die als Guthaben auf die mit RFID-Etikett versehenen Kundenkarte gebucht wurden. So spontan schien es zwar nicht zu sein, aber die Geste finde ich äußerst nett, auch wenn sie von der Konzernleitung diktiert wird.

Wegen der Mehrwertsteuererhöhung muss auch die Fitcom ihre Preise anpassen. Der monatliche Mitgliedsbeitrag wird nach oben korrigiert und per Lastschrift eingezogen. Weil diese Änderung den meisten Kunden beim Vertragsabschluß nicht präsent war und sich vielleicht sogar die Vertragsbedingungen ändern (ich erwarte Kommentare von angehenden Juristen), haben sich die cleveren Leute etwas nettes ausgedacht.

Anfang Dezember bekam ich einen Brief, in dem man sich für die Preiserhöhung entschuldigt. Der Plan zur Wiedergutmachung sieht nun folgendermaßen aus: 1. Der Kunde zahlt ganz normal die zusätzlichen 3% Mehrwertsteuer auf die Leistungen, die die Fitcom 2007 im Rahmen des Vertrages erbringen wird. 2. Fitcom schreibt jedem Kunden auf seiner mit RFID-Etikett versehenen Kundenkarte genau diesen Betrag als Guthaben gut (ja, stilistisch unschön, aber so sagt man das nunmal in der Buchführung).

Die Folge ist, dass die Erhöhung nicht an die Kunden weitergereicht wird, sondern dass die Fitness Company die Erhöhung vollständig selbst trägt. Es hätte mich auch gewundert, wenn bei der Beitragshöhe nicht noch Spielraum wäre. Viel interessanter ist allerdings das Verfahren: Anstatt dem Kunden lediglich mitzuteilen, dass er weiterhin nur 16% Mehrwertsteuer bezahlt, wird über das Tut-uns-Leid erst Sympathie aufgebaut und offenbart, dass man die Kosten leider, leider weiterreichen müsse. Dann schenkt man ihm Guthaben in Höhe der zusätzlichen Kosten, was eine wesentlich stärkere Emotion auslösen und das Ansehen der Fitcom enorm steigern dürfte. Sehr clever — aber ich habe es trotzdem durchschaut.

Postkarte aus Venezuela

Die Postkarte zeigt die kleine Bucht Playa Medina in Venezuela. Ein Ausflugsschiff ankert ein paar Hundert Meter vom Strand entfernt, vier Urlauber sind im Wasser, der Strand ist fast leer. Auf der Rückseite steht:

Hallo Ihr1 Lieben.
Es ist wunderschön hier. Der Strand, die Palmen, das glasklare Wasser! Urlaub haben wir wirklich mal wieder gebraucht! Seht ihr uns am Strand liegen? Ganz klein? :)
Es hat sich doch gelohnt, diesen super Herbstkredit von der Volksbank BraWo in Anspruch zu nehmen. Sprecht doch einfach mit denen:
Telefon: 0180-26991066*
www.volksbank-brawo.de
Liebe Grüße aus Venezuela,2 Eure Nachbarn

* 6 Cent pro Anruf aus dem dt. Festnetz

Allem Anschein nach eine völlig normale Urlaubspostkarte, nur eine von täglich Zehntausenden (aus Faulheit ausdrücklich ohne Quelle). Die letzten vier Ziffern der Telefonnummer sind jedoch 1066. M1066 ist die Rumpfnummer des Minenjagdbootes Frankenthal (Bild), auf dem ich sechs Monate mitgefahren bin. Die Karte ging an mich. Für mich ist der Fall klar, ich bin einer ganz großen Sache auf der Spur.

  1. Das “Ihr” in “Ihr Lieben” ist keine formelle Anrede, muss daher klein geschrieben werden. []
  2. Bei Grußformeln wird kein Komma vor dem Namen gesetzt. []

Sprachlich hochwertiger Slogan again!

Die Kampagne läuft entgegen ersten Vermutungen doch an. In der Tomorrow von September 2006, die ich erst jetzt (dafür kostenlos) in die Finger bekommen habe, ist auf Seite 11 eine Anzeige von start.de abgedruckt. Der Spruch lautet diesmal

Du wirst alles erlebt haben, worauf du dich gefreut haben wirst.

Darunter erneut “start.de — Der Urlaub wird super gewesen sein.” Ich muss aber zugegeben, dass die Anzeige schon nicht mehr so gut wirkt, und ich habe auch noch keinen Urlaub gebucht.

Sprachlich hochwertiger Slogan

Dein Urlaub wird so gewesen sein, wie du ihn dir vorgestellt haben wirst.

Diesen Satz habe ich riesiger Schrift auf einer doppelseitigen Anzeige vor kurzem im Magazin mobil der Deutschen Bahn gesehen. Er wirbt für das Reiseportal start.de, das als kurzes Motto “Der Urlaub wird super gewesen sein” nutzt. Die Anzeige steht auf den letzten Seiten, und da ich bis dahin schon einige Artikel gelesen hatte, war meine Aufmerksamkeit schon beinahe am unteren Totpunkt angelangt. Dennoch habe ich mindestens drei Minuten über den Satz nachgedacht und überlegt, ob die Zeiten richtig verwendet worden sind — bei der Betrachtung von Werbung sind drei Minuten eine Ewigkeit. Ich konnte allerdings keinen Fehler bei Vor- und Nachzeitigkeit feststellen.

Obwohl ich keine Reise plane, habe ich mir anschließend die zu start.de gehörige Website angesehen, konnte dort jedoch nur einen unscheinbaren Hinweis auf diese ungewöhnliche Kampagne finden: Nur ein Banner mit der Aufschrift “Möchtest du eine Traumreise gewonnen haben?” deutet auf das Konzept der atemberaubenden Grammatik hin. Dort wurde erneut das Futur II wiederverwendet, um den Wiedererkennungswert zu steigern — im Gegensatz zum Text der Anzeige hat diese Frage aber überhaupt keine Aussagekraft. Sprachexperten mögen nun einwenden, dass das bei Fragen auch unüblich ist, aber die Werbeinteressierten wissen was ich meine.

Vielleicht läuft die Kampagne auch erst an, und die Anzeige ist vor der Zeit erschienen. Ich vermute, dass die Magazine einen Monat lang in den Zügen ausliegen und natürlich möglichst über die gesamte Lebensdauer einen aktuellen Inhalt vermitteln sollen. In einem Artikel stand beispielsweise “seit Oktober [2006]”, was einen rückblickenden Betrachtungspunkt ausdrückt. Da ich diesen Satz aber bereits am 30. September gelesen habe, wurde hier ein wenig vorgegriffen.

Wenn die auffällige Konstruktion allerdings nicht umfangreicher als in dieser einen Anzeige genutzt wird, ist es schade um die tolle Idee. Ich fühlte mich stärker angesprochen als von einem Werbespot für Expedia, in dem ein jamaikanisch-deutsches Shaggy-Imitat zusammen mit 30 Bikini-Bunnies durch eine Pool-Landschaft eines Hotels hüpft. Vermutlich wirkt Werbung besser, wenn sie niedere Instinkte anspricht.

Cleveres Design bei TV.com

Website von TV.com

Website von TV.com

Der Web Designer für TV.com hat die Werbung für die Partnervermittlungssendung Lovespring International geschickt in die Seite eingebaut. Beim ersten Besuch wird ein Shockwave-Filmchen zur Sendung vor die eigentliche Seite geschaltet, was man aber überspringen kann. Die Hauptseite hat als unbeweglichen Hintergrund eine Szenerie passend zur Sendung erhalten, und im eigentlichen Inhaltsbereich befindet sich das passende Banner, das sich in der ungescrollten Neutralstellung in das Hintergrundbild einfügt. Beim Scrollen verschiebt sich dann nur der Seiteninhalt, weil das Hintergrundbild stehen bleibt. Sehr schöne Idee.

Ich ärgere mich aber, dass ich das Intro übersprungen habe, denn der Kommentar von Lydia Mayhew, einer Partnerschaftsberaterin, ist genauso schwachsinnig wie sehenswert. Man lernt dort, dass sie vor 20 Jahren ihren Ethikprofessor rumgekriegt hat und dieser seine Frau verlässt, sobald das sechs Monate alte Kind volljährig ist — oder so etwas in der Richtung. Allerdings gibt es mit der Video Lounge einen kleinen Vorgeschmack auf die Sendung.

Da ist mir auch erst klar geworden, dass sich hinter dem sehr witzigen Slogan “The last dating service you will ever use.” keine überzeugte Eigenwerbung, sondern eine Comedy-Serie verbirgt. Das erklärt einiges. Aber das Design ist wirklich klasse.